BETWEEM YOU AND ME, The Whiteness of the Whale part IV

The Whiteness of the Whale part IV

30. Dezember 2013 - Uncategorized

Charlotte McGowan-Griffin: The Whiteness of the Whale part IV

Der amerikanische Bildhauer Richard Serra wurde 1986 mit einer Skulptur für die Ausstellung „Der unverbrauchte Blick“ im Martin-Gropius-Bau beauftragt. Die fertige Arbeit „Berlin Curves“ – zwei parallel geschwungene Stahlplatten mit mehr als 13 m Länge und 4 m Höhe – so stellte sich heraus, paßte mit diesen Dimensionen nicht mehr in den Lichthof, wie ursprünglich vorgesehen. Dieses site-specific work – also dieses ortsspezifische Kunstwerk – wurde daraufhin kurzerhand neben den Eingang außerhalb des Museums gestellt – auf einen Parkplatz direkt neben der Mauer. Eine von der Ausgangssituation denkbar verschiedene Umgebung.

Nach Ende der Ausstellung entschied sich der Berliner Senat zum Ankauf dieser nun unter dem Titel „Berlin Junction“ firmierenden Skulptur. Doch wohin mit ihr? Serra entschied sich nach einigem Suchen für den Platz vor dem Eingang zur Philharmonie, denn Scharouns Architektur würde aufs wunderbarste seine Arbeit herausfordern und in einen gegenseitigen Dialog bringen. In einem Brief an den Senat betonte er sogar, dass die Beziehung zwischen Skulptur und Architektur in einem bestimmten urbanen Umfeld auf keinen Fall zufällig sein dürfe.

Leider übersah Serra dabei, dass genau an dieser Stelle unter dem Namen Aktion T4 die Nationalsozialisten ein Euthanasieprogramm verfolgt hatten, dass den Tod von mehr als 200.000 Psychatriepatienten und anderen stigmatisierten Individuen zur Folge hatte.

Die Geschichtswerkstatt Berlin bewirkte daraufhin das Einlassen einer Gedenkplatte unmittelbar neben der Skulptur. Beschaut man sich die Skulptur jetzt und sucht Informationen über sie im Internet so liest man allerorten, dass es sich um eine Denkmal für die von den Nationalsozialisten im Rahmen der Aktion T 4 Ermordeten handele.

Damit bekam die Skulptur ein drittes Mal einen neuen Ortsbezug.

Dieses Beispiel einer gerade von Serra, der das berühmte Diktum der ortsspezifischen Kunst prägte „To remove the work is to destroy the work“, als so eigentümlich ortsspezifisch beschriebenen Arbeit und ihren willkürlichen Ortsbezugveränderungen verdeutlicht einen Missstand, dem ich mit der Ausstellungsserie „Espace Surplus Le Grand“ – bei der Charlotte McGowan-Griffins Arbeit „The Whiteness of the Whale part IV“ den Anfang macht – begegnen möchte.

Den Begriff der site-specific art – der ortsspezifischen Kunst, der in den 60ern als Antithese zum modernistischen Verständnis des autonomen Kunstwerks geprägt wurde, möchte ich mit damit wieder präsenter machen. Und damit Kunstwerke in den Fokus rücken, die für einen ganz bestimmten Ort, eine ganz bestimmte Situation, einen ganzen bestimmten Diskurs erschaffen wurden. Kunstwerke, die nicht beliebig überall hingestellt werden können, da sie mit „ihrem Ort“ in jeder Beziehung geschaffen wurden.

Diese Kunstwerke bedeuten zugleich ein Innehalten im Sog der Vermarktung von Kunstwerken, indem sie vom Betrachter fordern, im Hier und Jetzt an eben diesem Ort wahrgenommen zu werden.

Zugleich lenken sie damit die Aufmerksamkeit auf den sie umgebenden Raum und SIE  – auf den Betrachter selbst.

Ausstellung vom 15. Juni- 20. Juli 2013.